
Wo bleibt das Geld für Infrastrukturprojekte?
Ich war berufsbedingt mal wieder auf 1000 km Autobahn in der Republik unterwegs. Dabei bin ich durch etliche Baustellen gefahren, die sichtbar in Betrieb waren.
Bevor jemand meckert: Nein, wenn ich beruflich unterwegs bin, fahre ich niemals Bahn. Selbst eine Anreise am Vortag ist keine Garantie dafür, dass ich pünktlich beim Kunden ankomme. Bis die Bahn dafür auch nur ansatzweise wieder in Frage kommt, muss sie noch sehr an ihrer Zuverlässigkeit arbeiten. Und ich denke, dass ich das nicht mehr erleben werde.
Als ich also durch die x-te Autobahnbaustelle fuhr, kam mir ein Gedanke, der mich dann doch etwas mehr beschäftigt hat.
Ohne jetzt über die Sinnhaftigkeit von Autobahnerweiterungen diskutieren zu wollen:
Alle Baustellen (und das waren nicht wenige auf A5, A6, A8, A61, A81) waren in Betrieb. D. h., da haben sehr viele Menschen in sehr vielen schweren Maschinen Unmengen an Material bewegt. Die Baustellen waren umfangreich abgesichert und zwar nicht erst seit gestern. Es muss die Autobahn GmbH richtig viel Geld kosten, alle diese Baustellen in Betrieb zu halten. Selbst, wenn alleine die Miete einer(!) Warnbake pro Tag nur 0,10€ kosten würde, wären nur für die kilometerlange Absicherung schon beträchtliche Beträge fällig.
Aktuell kann man die aktiven Autobahn-Baustellen über eine Karte der Autobahn GmbH einsehen. Die Statistik zu den Baustellen ist nicht offen einsehbar, aber Schätzungen im Bereich 700-800 aktive Baustellen dürften ungefähr hinkommen. Da sind sicherlich auch Kleinbaustellen zur Ausbesserung einer Leitplanke dabei, aber vermutlich werden die meisten Baustellen über mehrere Kilometer mit Fahrspurverengung und dem ganzen schweren Gerät laufen.
Da dürfte an Auftragsvolumen ordentlich was zusammenkommen.
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Bei der Bahn dürften gerade ebenfalls die Vergabebücher für Reparatur- und Erweiterungsmaßnahmen überquellen. Eine offene Statistik darüber finde ich leider nicht im Netz, was mich wundert, denn das ist nun wirklich ein heißes Thema, um einen aktuellen Sachstand und die Perspektive für einen funktionierenden regionalen und nationalen Schienenverkehr zu bekommen. Mobilitätswende, wissenschon.
Wenn man aber in den lokalen Medien so hört, wie oft aufgrund von Bauarbeiten ein Schienenersatzverkehr eingerichtet wird, dann dürfte auch da momentan richtig die Luft brennen.
Das bedeutet, dass der Staat eigentlich gerade enorm viel Kohle in Ertüchtigung und Erweiterung der Verkehrsinfrastruktur pumpt. Geld, das dann auch eigentlich bei denen landen sollte, die da mit Bagger und Schaufel an Straßen und Schienen werkeln. Und die im Anschluss dieses Geld ausgeben, ohne den Cent zweimal umdrehen zu müssen.
Und genau dass wäre meine naive, linksgrünversiffte Idee: Der Staat finanziert große, teure Infrastrukturprojekte (Verkehr, Wohnen, Schulen, Krankenhäuser etc.), so dass Menschen sinnvoll Geld verdienen können. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass das den Menschen gut tut und es auch das ist, was sie wollen (statt z. B. als Bittsteller ständig von Ämtern drangsaliert zu werden). Wenn Ihr Spaß dran habt, dann sucht mal im Internet nach Pyramiden ABM... ;-)
Ich habe aber gerade nicht den Eindruck, dass dieses viele Geld, das vom Staat Richtung Wirtschaft fließt, merklich in Handel und Gastronomie ankommt.
Wo landet das Geld? Bei den Konzernen wie Strabag, die damit Vorstandsgehälter finanzieren statt auskömmliche Löhne? Dass die Trickle-Down-Ökonomie nicht funktioniert, ist schon lange bewiesen.
Wäre doch nett, wenn das mal jemand journalistisch mit Zeit und Kenntnissen der Materie medial aufarbeitet. Da liegt ein vermeintlicher Missstand vor unser aller Augen, aber irgendwie ist das kein Thema. Oder ich liege komplett falsch und alles ist tutti.
(Titelbild: rodrigoandrade3880, Pixabay)